Summerbreeze 2008 - live und hautnah
Text und Fotos: Marcus Bernading
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Donnerstag, 14.08.´08
11.00 Uhr – Ankommen auf dem °hell yeah° noch ausreichend Platzbietenden V.I.P.-Campinggelände, dass sich sehr günstig gelegen ca. 100m Luftlinie hinter der Mainstage befindet, sodass man den eigenen Ghettoblastersound sehr gut hört, wenn man sich zwischen den Auftritten der persönlich favorisierten Bands mal ausruhen mag um Energie zu sammeln für die nächsten Attraktionen. Bei über 90 auftretenden Bands sind natürlich viele verschiedene Metalrichtungen vertreten, und ohne Frage sind die Vorlieben der Fans genauso unterschiedlich, wie auch ihr Erscheinungsbild. Hier findet man Liebhaber aller Varianten des Metals, wie z.B. Gothic- , Death-, Trash- oder Speedmetal, Bands mit Hardcore-, Crossover- oder Rock´n´Roll-Einflüssen – die Spannbreite und Kreativität der Musiker ist unbestritten groß. Dazu noch sehr saubere und wenig benutzte Dixie´s, somit der erste Eindruck: genial!
Unser Zustand: schon nicht mehr sehr nüchtern, aber wir sind ja auch zum Feiern und Spaß haben hier. Auch das Wetter lässt keine Wünsche offen – geschätzte 25 °, leicht bewölkt, Urlaubswetter!

Wir fiebern dem ersten Höhepunkt des Festivals entgegen: Definitiv die Schweden-Schwermetaller von Soilwork, die um 17.00 Uhr spielen. Doch auch zu diesem frühen Zeitpunkt wächst die Masse vor der Mainstage schon sehr ordentlich, die allgemeine Stimmung ist hervorragend und spannungsgeladen. Über den Sound wird später berichtet – laut genug scheint es zu sein, dass hört man schon von unserem Zeltplatz aus sehr gut.
Am gestrigen Mittwoch fand im Partyzelt bereits ein Contest für Nachwuchsbands statt, dessen Sieger das eigentliche Festival heute mit einer 20minütigen Performance auf der Mainstage eröffnen durfte. Späteren Berichten einiger Festivalbesucher zufolge kam es allerdings bei der Anreise mittwochs zu erheblichen Wartezeiten beim Einlass, was entweder auf nicht die allerbeste Planung hierbei, oder aber auf eine sehr hohe Besucherzahl schließen lässt – was wir beim Durchfahren des Campinggeländes in Richtung V.I.P.-Bereich nur allzu gerne glauben wollen: in seinem 11. Jahr gehört das SB-Festival definitiv zu den angesagtesten Veranstaltungen Deutschlands, was diese Art von Musik angeht, dass wird schon anhand der unterschiedlichsten Nummernschilder der Autos deutlich – ein hervorzuhebender und wesentlicher Vorteil des SB – parken direkt neben dem eigenen Zelt!
Nach diesem kurzen Vorbericht werden wir uns jetzt – gestärkt von der ersten Mahlzeit, am Gaskocher zubereitet – endlich ins Getümmel stürzen: SummerBreeze `08 – go!
Freitag, 15.08.´08
8.30 Uhr – der Morgen bringt Regen … allerdings nur leichten Niesel, was aber ausreicht, um die Standard-Camper ohne zusätzlichen Pavillion noch in ihre Zelte zu bannen, außerdem war der erste Tag sehr lang und laut, …und das mit Alkohol hier ordentlich die Stimmung unterstützt und aufgebessert wird, ist wohl unnötig zu erwähnen …
Es wird wohl noch einige Zeit vergehen, bis die Metalfans aller Hautfarben, Nationen und Altersgruppen sich für den zweiten Tag Sommerbrise wappnen. Bisher nutzen nur einige Frühaufsteher die Gunst der Stunde, um ihre Notdurft ungestörterweise zu verrichten, denn man hat hierbei gerne seine Ruhe, anstatt einer Schlange, die vorm Dixieklo ansteht (was aber in diesem Jahr dank der Vielzahl aufgestellter Containergruppen wirklich selten ausufert).

In Hoffnung, dass sich das Wetter im Laufe des Tages noch etwas bessert, kann man den ersten Tag schon mal Revue passieren lassen:
Der Sound ist groß (wenn auch nicht artig) – sowohl an der Main- als auch an der Painstage, auf denen abwechselnd performet wird, werden dem Zuhörer ordentlich die Gehörgänge freigeblasen, das P.A.-Arrangement ist ausgezeichnet! Extra aufgeschüttetes Stroh mindert das Risiko einer Schlammschlacht, falls es dann – wie heute – doch zu regnerischen Abschnitten kommt. Gleichzeitig animiert es aber auch etliche Fans zu sehr amüsanten Strohschlachten – für die Umstehenden ein lustiges Schauspiel und eine willkommenen Abwechslung zwischen den Auftritten …
Alles in allem ist das SB sehr durchdacht und Zuschauerfreundlich organisiert. Man merkt, dass dieses Festival schon etliche Lehrjahre auf dem Buckel hat – seit 1997 treffen sich nunmehr Metalfans aller Herren Länder hier zum Frönen ihrer Leidenschaft. Auch und das Merchandising-Angebot kann sich durchaus sehen lassen – von Klamotten über Schmuck bis hin zu einer rie-hie-sigen CD-Auswahl findet der „schwarze Fan“ hier alles, was das Herz begehrt, und das nicht mal überteuert, sondern oft sogar sehr günstig.
Ebenso ist für das leibliche Wohl ausgezeichnet gesorgt: von Kebap über Pizza, Flammkuchen, Schwenkern oder Rostbratwürstchen mit Pommes, bis hin zu frisch gebackenem Handbrot (gefüllt mit Käse und Schinken oder Champignons, gekrönt von einer CrèmeFraîche-Schnittlauch-Haube), kommt auch der Gourmet hier voll auf seine Kosten – die zahllosen Bierstände muss man wohl nicht extra erwähnen …
Im Großen und Ganzen lässt dieses Festival wirklich keine Wünsche offen für Freunde der einzig wahren Musikrichtung Metal! Ein absolutes Muss, mal hier gewesen zu sein – allein ein Schlendern durch die Zeltschluchten auf dem Mega-Campinggelände, vorbei an hunderten von Fahnen aller Länder, selbstgemalten, nicht ganz ernstgemeinten Schildern wie z. B. „Tittenkontrolle“ oder „Gratisf…..“, sowie dem Übersteigen bzw. Ausweichen etlicher auf dem Boden Gestrandeter, machen das Erlebnis SB sehr viel interessanter als TV schauen. Bei alledem muss man wohl erwähnen, dass die Metalgemeinde zu 100 % friedlich ist, und diese Festivaltage dazu nutzt, mal komplett dem Alltag zu entfliehen. All die Verrücktheiten, mit denen man hier konfrontiert wird, laufen sehr lustig und fast immer ohne Zwischenfälle ab. Sie spiegeln nicht etwa den üblichen Tagesablauf dieser auch nur normalen Gesellschaft, mit eben der Neigung zu härterer, extravaganterer Musik, wider.
Heute stehen wieder viele gute Bands auf dem Programm … gespannt darf man sein, ob das etwas schlechtere Wetter heut´ der Stimmung einen Abbruch tut – ich schätze nicht …

Samstag, 16.08.´08
… und – nein, das Nieselregenwetter vom Freitag tat der Stimmung nicht im geringsten einen Abbruch! Absoluter Höhepunkt des Tages gestern waren in meinen Augen die Progressive-Rocker von Textures (Holland), wobei sich heutzutage kreative Bands wie diese schlecht in nur eine Schublade stecken lassen. Anspruchsvolle Riffs, komplexe Tonfolgen und Tempowechsel kombiniert mit dem brachialen Röhren des Sängers, dass in Sekundenbruchteilen immer wieder abgelöst wird von cleanen Gesangsparts, die unter die Haut gehen – das Partyzelt stand hier definitiv Kopf (wenn auch nicht zum ersten oder letzten Mal).
Eine Masse wie sonst nur bei wenigen anderen Bands lockte auch der legendäre Ex-Cannibal Corpse-Frontmann Chris Barnes mit seiner aktuellen Band Six Feet Under vor die Mainstage – das dumpfe Grollen der Gitarren, immer schön getragen von Barnes´ Stimme, die fast Kehlkopfkrebs vermuten lässt, immer mal wieder unterbrochen von einem quiekenden, gellenden Schrei, wie man ihn sonst nur von einem verendenden Tier mit Todesangst erwarten würde – dieser Mann mit den verfilzten Rastalocken bis fast zum Knie weiß, wie er die Massen in Wallung bringt und lebt für solche Auftritte! Highlight dieses Auftrittes: die von der Masse laut geforderte Coverversion des AC/DC-Hits TNT, die sich mit Barnes´ Stimme noch um soviel besser anhört, als das Original!
Ebenfalls ein absoluter Publikumsmagnet waren am gestrigen Freitag sicherlich Korpiklaani, eine finnische Metalband mit starken Folkloreeinflüssen, die zudem auf recht ausgefallenen, selbstgebauten Holzinstrumenten ihre Songs zum Besten geben, und eine riesige Menschenmasse zu begeistern wussten.
Fast zum Abschluss des Abends, um 1.15 Uhr, stand im Partyzelt dann mit The Vision Bleak die Band auf der Bühne, mit deren Ex-Session-Keyborder Andreas Landvoigt ich dieser Tage unterwegs war (wie´s dazu kommt: ganz einfach, Andreas ist jetzt Keyborder in unserer in diesem Jahr neu formierten eigenen Band … Musik ist eben eine Lebenseinstellung und verbindet). Und auch die Jungs aus Thüringen wussten mit ihrem Horror-Metal durchaus zu überzeugen und hielten die Stimmung bis nachts um 2.00 Uhr hoch.
Heute Morgen scheint schon wieder die Sonne, von Katerstimmung keine Spur. Die Metalgemeinde holt Luft für den letzten langen lauten Tag, an dem sie sich frei und ungestört unter Gleichgesinnten bewegen können, bevor sich morgen dann die Pforten in den Alltag wieder öffnen, und man viele positive Eindrücke mit nach Hause nehmen wird, von denen es zu zehren gilt, bis sich das nächste Konzert oder Festival nähert … (aber soweit sind wir noch nicht!).
Sonntag, 17.08.`08
… und es war ein dritter Tag vom Feinsten, mit Bands wie Keep Of Kalessin, einer der angesagtesten und technisch anspruchsvollsten Blackmetal-Bands momentan, den Urgesteinen von Dismember, die über die Jahre nichts verlernt haben, bis hin zu „moderneren“ Metalbands der „Neuzeit“, wie z.B. Neaera oder Heaven Shall Burn, die sich im Vergleich zu den alt eingesessenen, kultigen Death- und Blackmetal-Bands doch schon viel mehr auch anderer Hilfsmittel bedienen (Stichwort: Syntheziser, Trigger …) – das gefällt zugegebenermaßen nicht jedem. Vor allem Musiker, die sich stets zu Recht mit Stolz auf ihre „handgemachte“ Musik beriefen, sind nicht immer angetan von der ständig fortschrittlicher werdenden elektronischen Unterstützung zur Perfektionierung und Veredlung der Musik, allerdings sind die Verbesserungen des Sounds und Vielzahl der Möglichkeiten unbestreitbar.
Aber so ist das eben: Nicht jeder Metalfan liebt genau die gleiche Art Musik, und das gute am SB ist, dass jeder trotzdem voll auf seine Kosten kommt!
Zum krönenden Abschluss der Live-Acts boten auf dem diesjährigen Breeze die gefühlsbetonten Melodic-Rocker von Anathema einen wunderbaren Ausklang, der zum Träumen von zukünftigen Festivals anregte … zurück bleiben am Ende durch und durch zufriedene Fans, die für den Spottpreis von 60,- € eine Menge geboten bekommen haben.
SummerBreeze 2009 – ich werde auf jeden Fall dabei sein!!!
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