Rocco del Schlacko 2008 - die rockigste Schlammschlacht im Saarland
Text und Fotos: Eva Steffen
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Irgendwann im Februar 2008: Ich sitze in der Redaktion und hörte ein Internet-Radio. Da kommt auf einmal - ganz ohne Vorwarnung - ein Lied, das mich vom Hocker reißt. Das will ich noch mal hören, denke ich und recherchiere, welche Band das ist. Die Band heißt Dúné, eine Newcomer-Band aus Dänemark. Keine halbe Stunde später bestelle ich das Album „We are in here, you are out there“ und kaum ist es da höre hoch und runter. Auch nach Videos suche und bin total überrascht. Die Jungs (und das eine Mädel), die da abrocken, sind grade mal 20, wenn überhaupt. Wie können so junge Leute schon so rocken? Das musste ich erstmal verdauen… und hörte mir das Album noch mal an. Und wieder und wieder. Bis ich alle Lieder mitsingen kann. Und langsam wird mir klar, die CD hören reich mir nicht, ich will die Band sehen… nur wo?

Samstag, Mai 2008: Ein schöner warmer Samstag-Morgen und ich gehe mit meinem Freund auf der Bahnhofstraße in Saarbrücken shoppen. Ein normaler Samstag eben. Dann passiert es, so unerwartet wie ein rosa Elefant. Ich gehe ich an einem Plakat vorbei und da steht es: Dúné. Perplex schaue ich schnell, wie weit ich fahren muss um die Band endlich zu sehen: Püttlingen. Püttlingen? Da ist doch der City-Biathlon und … das Rocco del Schlacko. Ich stehe mit offenem Mund vor dem Plakat, bis mein Freund mich anschupst. Die anderen Leute schauen schon, sagt er. Ich mache den Mund zu und freue mich auf’s Rocco. Ich nehme mir direkt vor, mich bei Youth Today freiwillig zu melden einen Artikel zu schreiben. Dúné sehen und darüber schreiben. Was Besseres gibt’s nicht.
Freitag, 22. August 2008: Ich habe das Line-Up schon vor Wochen ausgedruckt. Meine Dänen treten schon sehr früh auf, um 17.25 Uhr. Mein Highlight schon fast am Anfang? Soviel zu: das Beste kommt zum Schluss. Deswegen sitze ich schon um kurz nach drei Uhr auf gepackten Koffern, also eher in Festivalmontur auf meiner Handtasche. Auf Grund meiner Rocco-Erfahrung und einem Blick aus dem Fenster packe ich neben dem Regencape auch die Gummistiefel ein. Diese Ausstattung soll sich in den nächsten zwei Tagen noch richtig bezahlt machen. Da ich kein Auto habe und der angebotene Shuttle-Service etwas dürftig ist (milde ausgedrückt) habe ich mich dazu durchgerungen meine Mami nach einem Taxi-Dienst zu fragen. Nichts geht über eine nette Familie, besonders wenn Mami fährt. Nachdem ich nun mein Bändchen habe, stürzte ich mich ins Vergnügen oder eher in die Schlammschlacht. Leider meint der Wettergott es nicht so gut mit den Rocco-Veranstaltern und hat eine extra große Portion Regen geschickt.
Und schon machen sich meine Gummistiefel bezahlt. Da sieht man es mal wieder, eine Frau kann nicht genug Schuhe haben und auch Gummistiefel sind wichtig! Zurück zum Festival: ich versorge mich erst mit einem Bier, also direkt nachdem ich diese Rocco-Coins gekauft habe, und schaue mich um. Matsch, Regen und… doch sind die Festivalbesucher gut drauf. Es ist jetzt kurz nach fünf Uhr und Grand Island, die Band vor Dúné, hat grade aufgehört zu spielen. Höchste Zeit sich einen Platz zu sichern, denke ich mir und stapfe los. Da es grade in Strömen gießt, habe ich keine Probleme einen guten Platz zu erhaschen. Nach etwa 30 Minuten bin ich nass bis auf die Haut, aber voller Vorfreude. Und da passiert das Wunder: keine zwei Minuten bevor Dúné auf die Bühne kommt, hört es auf zu regnen. Mein persönliches Glück beginnt. Ab der ersten Zeile singe ich jeden Song mit. Auch wenn ich dadurch von den meisten Festivalbesuchern etwas strange angeschaut werde. Tja, ich kenne die eben schon. Nur bei einem Lied bin ich still, denn das ist neu und ich kenne ja nur das Album auswendig. Leider viel zu schnell ist der Auftritt vorbei und ich bin total high. Keine Macht den Drogen, alle Macht der Musik!

Den Rest des Festivaltages schwebe ich fast über das Festivalgelände - soweit der Matsch das zulässt. In dieser Stimmung schaue ich mir auch die durchgedrehten Gogol Bordello und die nicht minder durchgedrehten Turbonegro an. Meine persönliche Überraschungsband ist Madsen. Die Jungs aus dem hohen Norden hatte ich als Festivalband nicht auf dem Schirm, aber sie haben mich eines Besseren belehrt. Kurz zusammengefasst: Die Perfektiooooooooon! Weiter so, Junge, ne. Als die Schweden von Mando Diao auftreten, bin ich voller Erwartungen. Vielleicht sind meine Erwatungen einfach zu hoch, aber die Schweden haben mich nicht überzeugt. Det var inte bra (das ist schwedisch und heißt: Das war nix!)!
Samstag, 23. August 2008: Tag zwei der rockigsten Schlammschlacht im Saarland. Nach dem Bierkonsum gestern und dem anstrengenden Abrocken, schlafe ich so richtig aus. Meinen Aufbruch lege erst auf 17 Uhr. Heute gehe ich ohne Erwartungen aufs Gelände, mein Highlight ist ja schon vorbei (zur Erinnerung: Dúné). Ich bekomme grade noch den Auftritt von K.I.Z. mit, werde aber nur mäßig mitgerissen. Beim Rundgang über das Festival treffe ich den ein oder anderen Bekannten, genauer gesagt etwa 30, wir sind eben immer noch im Saarland. Und über das ganze Reden und mit Bier anstoßen verpasse ich doch glatt zwei Bands: The (international) noise conspiracy und die Donots. Aber sie waren sicher gut. Bei Kettcar komme ich dann noch mal etwas runter und lausche einfach der ruhigen Musik. Bei meinen Recherchen im Vorfeld bin ich immer wieder auf die Aussage gestoßen, dass die Show von Deichkind einfach der Hammer sein soll. Deswegen will ich die Show mitten aus der Menge, von möglichst weit vorne, ansehen.
Ich stapfe los, mit den Gummistiefeln ist kein anderer Gang möglich, und schaffe es sogar bis in die dritte Reihe, ziemlich in der Mitte. Es herrscht ein raues Klima da vorne, der Stärkere siegt eben. Die Schwierigkeit in dem Schlamm ist das Gleichgewicht zu halten. Wenn sich die Masse bewegt und einen unaufhaltsam mitzieht, sind meine Füße grade noch schnell genug. Dann passiert es: die Masse geht nach rechts, ich bewege mich nach rechts. Die Masse bewegt sich nach links, ich bewege mich…. nein, ich falle nach links, denn da ist auf einmal kein Mensch mehr. Ich sehe mich schon in einer Art Fango-Packung und denke nur noch: Neeeeiiiiin!... und falle auf jemanden drauf. Puh, bin ich so erleichtert. Und fühle mich wie auf Wolke sieben, ach nein, das ist ja der Mensch unter mir. An dieser Stelle möchte ich an den Unbekannten meinen riesengroßen Dank aussprechen. Wieder auf den Beinen geht auch schon die Show los. Und ich merke, dass gute Recherche sich auszahlt, denn die Jungs aus Hamburg rocken wirklich. Ich kenne zwar nur drei Songs, aber DIE kann ich mitsingen: Jipieh, Jipieh, Yeah. Besonders die Kreativität der Band ist faszinierend. Kostüme aus Mülltüten und Neon-Klebeband – sieht geil aus und ist so einfach. Federn, Bier, Wodka-Orange und noch einiges mehr wird ins Publikum geworfen und bringt die Stimmung auf den Siedepunkt. Und ich nehme etwas davon mit, also ich verschlucke ne Feder – total clever eben. Ich springe, also versuche es, und ich schreie mir die Seele aus dem Leib.
Die Show dauert eine Stunde, aber gefühlt maximal eine halbe. Auf jeden Fall zu kurz. Falls ihr die Möglichkeit habt diese Band live zu sehen, nutzt die Chance. Als Tipp: Sie kommen in die Garage nach Saarbrücken, noch in diesem Jahr.
Kaum ist der Auftritt zu Ende, hole ich mir noch ein Bier. Denn diese doofe Feder ist immer noch in meinem Hals. Immer noch mit Feder im Hals, Bier in der Hand, blauen Fecken, etwas heiser und viel Schlamm an den Schuhen, verlasse ich Festival. Fertig, aber glücklich. Kaum zuhause angekommen, falle ich ins Bett und summe mich in den Schlaf: Jipieh, Jipieh, Yeah! Krawall und Remmi-Demmi! Das Beste kommt dann doch oft zum Schluss!
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