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Als Redakteur bei
Youth Today gehört es sozusagen zum angenehmen Pflichtprogramm
Konzerte zu besuchen, um darüber einen Artikel zu
verfassen. Neben spektakulären Fotos gibt ein Starinterview
dem Bericht den letzten Schliff und das gewisse Etwas.
Doch was muss ich beachten, bevor das Event stattfindet
und wie verhalte ich mich, wenn mein Star in greifbarer
Nähe vor mir steht? Erstarre ich vor Erfurcht, schleime
ich ihn zu? Und was frage ich überhaupt?
Um all diese Fragen zu klären, traf sich das Redaktionsteam
von Youth Today an einem Sonntagmorgen (!) zum Pressefrühstück.
Unsere Referentin war Rita Schaefer-Arend, Journalistin
und Fachkorrespondentin für den nahen Osten. Mit
großer Kompetenz stellte sie sich bei Kaffee und
Croissants unseren Fragen und gewährte uns Einblick
in ihre langjährige journalistische Erfahrung,
die sie auf der ganzen Welt gesammelt hat.
Zunächst, betont Frau Schaefer-Arend, dass intensive
Recherche unbedingt notwendig sei. Bevor man die Veranstaltung
besucht, sollte man sich genau über den Künstler
oder das Event informieren. Bei Solokünstlern,
sowie bei Bands muss man gründlich über deren
Lieblingsthemen, Hobbies und Abneigungen Bescheid wissen,
um sich und das Medium, welches man vertritt, nicht
zu blamieren. Es muss ein Wissenshintergrund geschaffen
werden, den man durch die eigene Erfahrung erweitert,
bestätigt oder widerlegt. Des Weiteren stellt sich
die Frage, wie man das Interview aufzeichnet. Es bieten
sich einige Möglichkeiten die Vor- und Nachteile
aufweisen.
Die althergebrachte Variante: Papier und Bleistift.
Standard, aber eher uneffektiv, da man den Blickkontakt
nicht halten kann und so eine unpersönliche Situation
entsteht. Man ist so sehr damit beschäftigt, nichts
zu vergessen und alles aufzuschreiben, dass man die
Aufmerksamkeit von seinem Gegenüber abzieht. Dieses
Verhalten ist bei bekannten Persönlichkeiten sehr
unbeliebt, sodass ein Abbruch des Interviews folgen
kann. Außerdem fällt es im Nachhinein beim
vertexten unheimlich schwer, die damalige Stimmung wiederzugeben
und das Gesagte genau zu rekapitulieren, ohne den Sinn
zu verfälschen. Nichts ist nämlich schlimmer,
als ein gedrucktes Interview und ein wütendes Management,
das verspricht, nie wieder eine Akkreditierung für
das betreffende Magazin zu vergeben, weil das Interview
die Tatsachen verfälscht. Aufschreiben bietet sich
somit nur bei kürzeren Interviews an, die eine
konkrete Fragestellung aufweisen und keine weitere Interpretation
zulassen. Bei Pressekonferenzen dagegen bietet sich
mitschreiben an. Man meldet sich, die Frage wird angenommen,
man nennt seinen Namen, den Namen der Zeitschrift und
stellt dann seine Frage. Während dieser Phase bietet
sich genug Raum, um das Gesagte zu erfassen. Ein Diktiergerät
ist hier wegen der hohen Lautstärke und der eventuell
großen Entfernung eher ungünstig, sodass
schlechte Aufnahmen das Resultat sein können.
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Auf keinen Fall
kreischen oder in Tränen ausbrechen!
Allerdings bietet sich ein Diktiergerät perfekt
an, um ein persönliches Interview zu dokumentieren.
Es schafft eine wesentlich entspanntere Beziehung zwischen
Interviewer und Star, weil stetiger Blickkontakt herrscht
und man sich intensiv mit seinem Gegenüber beschäftigen
kann. Auch kann man das Gesagte hinterher sinngenau
wiedergeben und kann sich sicher sein, dass keine Missverständnisse
entstehen. Jedoch sollte man vorher um Erlaubnis bitten,
die Unterhaltung aufzeichnen zu dürfen.
Optimal ist es natürlich, wenn man das Interview
mit einer Kamera aufzeichnen kann. Man kann Gestik und
Mimik in den Artikel einbeziehen und auch kleine Details
werden erkennbar.
Dies ist aber mit einem gewissen Aufwand verbunden,
da unter Umständen ein Stativ benötigt wird
oder ein Stromanschluss vorhanden sein muss. Diese Methode
ist also räumlich begrenzt und unmobil.
Hat man einmal das passende Aufzeichnungssystem gewählt,
sollten nun die Fragen ausgesucht werden. Hier muss
man unbedingt darauf achten keine Fragen zu stellen,
die man nur mit ‚ja’ oder 'nein' beantworten
kann, da das Interview dann schnell langweilig wird
und es scheint, als ob man lediglich eine Checkliste
abarbeitet. Auch plumpe Fragen, zum Beispiel nach dem
Privatleben werden ungern gehört und beantwortet.
Außerdem ist es wichtig Dinge herauszufinden,
die nicht schon vorher in sämtlichen Klatschmagazinen
zu lesen waren, um das eigene Magazin interessant zu
machen. Man sollte also nicht zum hundertsten Mal nach
Lieblingsfarbe oder Leibgericht fragen. Daraus kann
auch kein richtiges Gespräch entstehen und man
wird vom Interviewpartner nicht ernst genommen. Ebenso
sollten die Fragen der Gesprächszeit angepasst
werden. Also nicht nach der Lebensgeschichte fragen,
wenn man nur fünf Minuten Zeit hat. Die Fragen
sollen demzufolge konkret, aber nicht zu knapp sein.
Hat man all diese Vorarbeit geleistet, kann der Tag
der Wahrheit kommen. Gut vorbereitet erscheint man bei
der Veranstaltung. Wichtig ist hier, die vorher genehmigte
Akkreditierung mitzubringen und das Medium, also die
Zeitschrift, für die man schreibt. Dies hebt die
Professionalität hervor, sodass man selbst als
seriös wahrgenommen wird. Steht man nun vor seinem
Interviewpartner, der gleichzeitig vielleicht noch den
absoluten Lieblingsstar darstellt, für den man
schon seit Jahren schwärmt, sollte man diesen persönlichen
Hintergrund auf jeden Fall ausschalten. Auf keinen Fall
darf man vor Ehrfurcht erstarren, kreischen (zum Beispiel:
„Justin, ich will ein Kind von dir!“) oder
in Tränen ausbrechen. Dann kann man das Interview
gleich vergessen.
Respekt für den Star und für sich
selbst
Man soll auf gar keinen Fall eine gespielte Vertrautheit
simulieren oder den Star freundschaftlich berühren.
Das verletzt seinen 'persönlichen Raum' und er
fühlt sich unwohl. Jedoch darf man auch keine Hemmschwelle
haben, nur weil das Gegenüber eine berühmte
Persönlichkeit ist. Stars sind Menschen wie jedermann,
mit dem Unterschied, dass ihre Leistung in der Öffentlichkeit
stattfindet und eine große Zielgruppe bedient.
'Star sein' ist 'nur' ein Beruf. Als Begrüßung
oder Gesprächseinstieg darf auch ruhig eine provokante
Äußerung gewählt werden, die allerdings
nicht unverschämt sein darf. Eine Bemerkung wie
zum Beispiel: „Ich find deine Musik total toll
und du bist ein super Sänger, aber deine neue Frisur
geht gar nicht!“ mit einem verschmitzen Lächeln
und ein wenig (weiblichem) Charme, kann schon die anfänglich
gespannte Atmosphäre lockern. Die Umgangsformen
müssen hier auf jeden Fall gewahrt werden, damit
man nicht als Groupie dasteht, sondern als ernstzunehmende
Person, die ihren Job macht, um einen guten Artikel
zu verfassen. Der Respekt für den Star, und vor
allem für sich selbst steht während des Interviews
an erster Stelle. Man sollte unbedingt seine Authentizität
wahren und nicht jemanden repräsentieren, der man
nicht ist. Die Professionalität steht immer im
Vordergrund. Während des Interviews sollte man
Interesse vermitteln und ein Vertrauensverhältnis
aufbauen. Je besser die Beziehung, desto eher ist der
Star bereit, persönliche Dinge zu erzählen.
Beim vertexten ist unbedingt darauf zu achten, dass
nicht nur das Gespräch sondern auch Aussehen und
Situation beschrieben werden. Man kann auch mit einem
dreiminütigen Interview eine ganze Seite füllen,
indem man den Star oder seine Stimmung beschreibt. Das
lässt das Interview im richtigen Licht erscheinen
und macht es noch interessanter. Das fertige Interview
sollte vor der Veröffentlichung dem Management
zur Freigabe vorgelegt werden, sonst könnte es
bei zukünftigen Akkreditierungen zu Problemen kommen.
So viel zum Thema 'Wie führe ich ein Interview'
. Sollte es doch einmal trotz Akkreditierung zu einer
Abweisung kommen, müsst ihr das wohl oder übel
akzeptieren. Allerdings solltet ihr sofort einen neuen
Termin ausmachen und dabei hartnäckig bleiben.
Auf jeden Fall dürft ihr euch nicht von der Veranstaltung
entfernen, da immer noch die Möglichkeit besteht
ein kurzes Interview zwischen Tür und Angel zu
führen. Auch wenn ihr vollkommen unvorbereitet
seid, solltet ihr euch dieser Herausforderung stellen.
Außerdem ist es keine Schande seine Unvorbereitung
zuzugeben. Denn das macht wieder sympathisch.
Nun wisst ihr alles, was man tun darf und unbedingt
lassen muss. Gut gerüstet könnt ihr euch jetzt
eurem ersten Starinterview stellen. Die Möglichkeit
bietet sich am besten bei Youth Today.
Und noch was: Liebe Frau Rita Schaefer-Arend,
VIELEN DANK für ihr spontanes Engagement bei unserem
Pressefrühstück!
Alle Bilder hier
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